Gespräch mit Detlev Schönauer. R.Heinrich: Im Artikel "Jamaika kommt in die Bütt" der heutigen Ausgabe der SZ steht eine Aufzählung der Akteure der diesjährigen Fernsehsitzung der KG "Mir sin nit so". Dein Name steht nicht in diesem Artikel. Bist Du dieses Jahr nicht dabei ? D.Schönauer: Wie es bei der "Mir sin nit so" üblich ist, ist bei den Prunksitzungen, eben auch der Fernsehsitzung, eine Gruppe von professionellen Künstlern immer wieder präsent und gehört praktisch zum Inventar der saarländischen Fernsehfastnacht: Schorsch Seitz, Elfriede Grimmelwiedisch, Jääb und Jolanda, de Hausmeischda und eben auch ich. Für mich ging es also für die Sitzung 2010 nicht darum, ob ich mitmache, sondern nur wie und womit. Es hat lange gedauert, bis ich - nach mehrmaligem Nachfragen - eine Antwort bekam. Erst am Mittwoch, 13.1. bekam ich die Information dass die "Mr sin nit so" in diesem Jahr auf meine Teilnehme aus "programmtechnischen Gründen verzichten müssten". Man wolle das Programm dieses Mal anders aufzäumen. R.Heinrich: Dein Vortrag gehörte doch immer zu den Highlights dieser Sitzung. Warum will man darauf verzichten? D.Schönauer: Im vorletzten Jahr war ich von meiner üblichen Darstellung des "Jacques' Bistro" mal etwas abgerückt und habe in der Fernsehsitzung der "Mir sin nit so" einen Vortrag gemacht, in dem sich ein schimpfender Saarländer, "Backes, Alfred" politisch-kritisch vor allem mit Partei-Inhalten der anwesenden Parteichefs auseinandersetzte. Es lag auf der Hand, das die CDU als alleinregierende Partei damals natürlich besonders im Focus war. Aber auch die SPD, auch die Grünen bekamen ihr Fett weg. Seitenhiebe gingen auch an die Saarbrücker Oberbürgermeisterin, aber auch an das Fernsehen. So etwas ist ja auch im Rahmen einer solchen Veranstaltung durchaus üblich. R.Heinrich: Dieser Vortrag kam doch aussergewöhnlich gut an, viele lobten im Nachhinein den Mut, viele Dinge anzusprechen, die alle nur denken, aber kaum jemand auszusprechen wagt. D.Schönauer: Das ist richtig, aber ich sehe das auch als traditionell im Sinne des rheinischen Karnevals. Der geht nämlich auf die französische Besatzungszeit Napoleons zurück (daher auch die Uniformen und das Militärische) und war ursprünglich darauf begründet, dass die Bürger einmal im Jahr ihre Meinung über die Regierenden, also die Besatzer, frei äußern durften, ohne gleich an der Guilloutine zu enden. Sie stellten sich dazu auf oder in ein Fass, das der Ursprung der Bütt war. Ich fand daher eine solche Fastnachtssitzung den passenden Rahmen, neben der Bühne, auch mal politisch auszuteilen. Zudem ergab sich die Gelegenheit, die anwesenden Verantwortlichen mal direkt anzusprechen. R.Heinrich: Ich kann mich and die Sendung erinnern, der größte Beifall kam aus den hinteren Reihen. Das Lachen der Kritisierten wirkte ja meist sehr aufgesetzt und gequält. D.Schönauer: Das ist richtig, aber natürlich auch zu verstehen. Im Jahr darauf fand dieser erfolgreiche Vortrag seine Fortsetzung. Wieder ließ ich "Backes, Alfred" auftreten und über die politischen Entscheidungen und Pannen des abgelaufenen Jahres spotten. Vielleicht noch etwas "böser" als im Jahr zuvor. Vielen Narren blieb tatsächlich auch mal das Lachen im Halse stecken. Natürlich gab es besonders viel Kritik an der Landesregierung, die ja noch alleine regierte und Peter Müller "was not amused", wohl auch, weil der Wahlkampf bevorstand. Meine Kritik traf wohl ins Schwarze und viele Zuschauer freuten sich über meine Offenheit. R.Heinrich: Könnte das den Ausschlag dazu gegeben haben, dass Du dieses Jahr nicht dabei bist? D.Schönauer Wie gesagt, man nannte mir programmliche Gründe, aber ich halte das für vorgeschoben. Meine Auftritte bei der "Mr sin nit so" galten immer als Höhepunkte - warum soll man einen solchen ablehnen. Auch der SR dürfte eher an einer Mitwirkung interessiert sein, denn viele Exilsaarländer außerhalb des Landes schauen diese Fernseh-Sitzung gerne, unter anderem meinetwegen, was für die Quote ja nicht unerheblich ist. Ich denke, der Wind weht aus einer anderen Richtung: ich habe nirgendwo Zweifel daran gelassen, dass ich von dieser Jamaika-Koalition nicht viel halte. Ich habe es als Leserbrief in der SZ formuliert und auch auf meinen öffentlichen Auftritten immer wieder thematisiert. Schon seit ich denken kann, bin ich politisch eher links als rechts eingestellt. Mir steht eine SPD näher, als eine CDU. Und auch die Linken finde ich mit ihren konsequenten Positionen bezüglich Finanzkrise, Mindestlohn und Kriegseinsätzen sehr interessant. So war wohl jedem klar, dass ich als Kabarettist in der Fernsehsitzung auf jeden Fall diese Koalition, und besonders auch wie sie zustandekam, kritisieren werde - und dass viele Zuschauer, darunter viele enttäuschte Grünen-Wähler daran ihren Spass haben werden. Ich denke, das galt es zu verhindern. R.Heinrich: In SZ-Artikel steht, dass der Auftritt von Peter Müller in der TV-Sitzung noch nicht feststeht. Ich frage mich von was das wohl abhängt? D.Schönauer Peter Müller tritt ja jedes Jahr selbst mit einem Büttenvortrag auf, eine Tradition, die er seinerzeit von einem seiner Vorgänger Oskar Lafontaine übernommen hat. Und so etwas ist für das Renommee eines Karnevalsvereins, vor allem wenn es im Fernsehen bundesweit übertragen wird, natürlich ungeheuer wichtig. Da braucht dann ein Peter Müller nur mal kurz zu erwähnen, dass er ungern in der gleichen Sitzung auftritt, zu der auch ich engagiert bin. Das könnte ja vielleicht so gewesen sein. Dass dann die "Mir sin nit so" mir gegenüber so reagiert, ist dann auch verständlich. R.Heinrich: Noch eine Frage: man munkelt, dass Dein Auftritt beim Neujahrsempfang der Linken den Ausschlag gegeben hat, Dich in der Karnevalsitzung nicht auftreten zu lassen? D.Schönauer Nein, das hat damit nichts zu tun. Die Absage der "Mr sin nit so" kam ja schon ein paar Tage, bevor ich bei den Linken engagiert war. So, wie ich übrigens auch schon bei den Grünen, der SPD und auch der CDU engagiert war. Ich stehe ja nicht als politischer Kämpfer auf der Bühne, sondern als Kabarettist, der damit auch seine Brötchen verdient. Daher habe ich kein Problem, bei allen demokratisch gewählten Parteien aufzutreten. Nur bei den Parteien der Jamaika-Koalition dürfte das in der nächsten Zeit wohl nicht mehr so gefragt sein… |